Eine Kindheit hinterm Stacheldraht - Bogdan Bartnikowski

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Verehrte Leser!

Eine Kindheit hinterm Stacheldraht - einem Stacheldraht unter Strom; fernab der Eltern, der Familie, fernab von Zuhause. Umgeben von weinenden Kindern, schreienden Gestalten, von unvorstellbarem Leid und unerträglicher Angst, den Tod ständig vor Augen - was kann es fürchterlicheres geben?

Der Stiftung "Polnisch-Deutsche Aussöhnung" sind viele solcher unbeschreiblich traurigen und tragischen Schicksale bekannt, doch sind es die Erlebnisse der Kinder, die am nahesten ans Herz gehen und uns in ihrer bitterlichen Schonungslosigkeit begegnen.

Deportation, Zwangsarbeit, Konzentrationslager, Tod. All das blieb auch den Kleinsten nicht erspart. Die Jahre des Krieges nahmen der Kriegsgeneration ihre Kindheit, ihre Träume und ihre Lebensfreude. Nach dem 1. September 1939 fanden sie sich in einer anderen, schrecklichen Welt wieder, einer Welt voller Furcht, Einsamkeit und Unsicherheit. Auch Kinder wurden zu Untermenschen degradiert, Untermenschen, die nur noch gut genug waren, um schwere Arbeiten zu verrichten. Schläge, Demütigungen, die ständige Androhung einer Deportation ins Konzentrationslager oder ins Dritte Reich wurden zum festen Bestandteil der Kriegskindheit. Neugeborene und Kleinkinder, die ihren zur Arbeit gezwungenen Müttern weggenommen wurden, schieden ohne elterliche Wärme und Betreuung in deutschen Kinderheimen dahin. Ältere wurden gemeinsam mit ihren Eltern grausam aus ihren Häusern vertrieben, eingesperrt, ermordet. Diejenigen, die die Feuersbrunst des Krieges, die Konzentrationslager, die Transporte und Kinderheime überlebt haben, konnten sich ein Leben lang nicht von den schrecklichen Erinnerungen lösen, über die es selbst mit ihren Nächsten schwer zu sprechen war.

Eine wahre Hölle auf Erden waren die Konzentrationslager, in denen das schreckliche Schicksal auch vor Kindern keinen Halt machte. Polnische Kinder, sofern sie die erste Selektion überstanden, starben an Hunger, Kälte, Krankheiten, Erschöpfung, fielen pseudomedizinischen Experimenten oder der Grausamkeit der Aufseher zum Opfer. Kinder von Juden sowie Sinti und Roma wurden vorwiegend direkt von der Eisenbahnrampe in die Gaskammer getrieben.

Inmitten dieser Hölle fand sich auch der Autor dieses Buches wieder. Im August 1944, während des Warschauer Aufstandes aus seiner Heimatstadt vertrieben, kam er in einem Viehwaggon nach Auschwitz. Er war damals 12 Jahre alt.

Das vorliegende Buch, das von der Stiftung "Polnisch-Deutsche Aussöhnung" herausgegeben wurde, ist eine Sammlung von Kurzgeschichten, Erinnerungen, Erfahrungen und Bildern, die sich in das Gedächtnis des Häftlings Nr. 192731 eingeprägt haben. Hinter dieser Nummer verbarg sich ein kleiner, schutzloser Junge - Bogdan Bartnikowski.

Ich übergebe dieses Buch nun schon zum zweiten Mal in die Hände der deutschen Leser mit der Überzeugung, dass die Erfahrungen, die hier niedergeschrieben wurden, zu einer Reflexion über die tragische Vergangenheit unserer Völker bewegen. Durch diese Mahnung an das geschehene Unrecht und durch historische Aufklärung, hoffe ich, dass wir gemeinsam den Weg des gegenseitigen Verständnisses und Aussöhnung finden.

"Auf dass unsere Kinder niemals durch den Stacheldraht eines Lagers in die Welt blicken müssen" lautet das Motto des Autors. Auf dass ein Volk nie wieder einem anderen Volk solch ein Schicksal bereitet. Aus diesem Grund müssen wir uns erinnern, erinnern an das, was während des Zweiten Weltkrieges passiert ist und unsere Erinnerung als Warnung an die junge Generation weitergeben.

Dariusz Pawłoś

Vorstandsvorsitzender der Stiftung

"Polnisch-Deutsche Aussöhnung"